Kann eine traumatisch bedingte Querschnittlähmung Auslöser dafür sein, dass Betroffene Jahre später an einem Harnblasenkarzinom erkranken? Auf einen solchen Zusammenhang deuten Studienergebnisse eines Forscherteams hin, an dem auch das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) beteiligt ist. Die „International Spinal Cord Society“ hat die Forschung nun bei ihrem diesjährigen Jahrestreffen mit einem Posterpreis ausgezeichnet.

In der Studie wurden die Daten von 7.004 Querschnittgelähmten des Querschnittgelähmten-Zentrums am BG Klinikum Hamburg im Zeitraum 1998 bis 2018 erhoben, berichtet die TU Dortmund. 37 dieser Personen seien an Harnblasenkrebs erkrankt. Diese Daten wurden im Anschluss mit Krebsregisterdaten für die gesamte deutsche Bevölkerung verglichen.

„Dabei fiel unter anderem auf, dass die 37 Querschnittgelähmten zum Zeitpunkt der Diagnose Harnblasenkrebs im Schnitt rund 20 Jahre jünger waren als die Allgemeinbevölkerung“, berichtet die TU. Zudem erkrankten Gelähmte signifikant häufiger als nicht-gelähmte Personen an muskelinvasiven Harnblasenkarzinomen. „Diese Unterschiede verkürzen die Überlebenszeit drastisch: 56 % der Betroffenen waren anderthalb Jahre nach der Krebsdiagnose gestorben. 80 % der Nicht-Gelähmten waren hingegen fünf Jahre nach der Krebsdiagnose am Leben, wie wir aus der Literatur wissen“, wird Studienautor Prof. Klaus Golka in der Mitteilung zitiert.

„Dass die Fachwelt unsere Ergebnisse in Form eines Posterpreises anerkennt, hat Bedeutung für Betroffene sowie deren Angehörige“, fügt Erstautor Dr. Ralf Böthig hinzu. Denn die Auszeichnung liefere den Sozialgerichten ein weiteres Argument, den Tod durch Harnblasenkrebs als Folge der Querschnittlähmung anzuerkennen. Nur dann hätten Angehörige Anspruch auf Zahlung einer Unfallrente durch die Gesetzliche Unfallversicherung – auch nach dem Tod des Versicherten.

Quelle: TU Dortmund

Einen Monat ohne Blasenspiegelungen: Seit dem 18. November führen niedergelassene Urologen im ganzen Bundesgebiet bis zum 13. Dezember 2019 bei ihren Patienten keine Blasenspiegelungen (Zystoskopien) mehr durch. Die Aussetzungswelle begann im November im Süden der Bundesrepublik und setzt sich seit 2. Dezember in den nördlichen Bundesländern wie Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Bremen, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Westfalen-Lippe und Nordrhein fort.

„Wir freuen uns sehr, dass sich bereits so viele Kolleginnen und Kollegen unserer Aktion angeschlossen haben und bedanken uns bei unseren Patienten für ihr Verständnis", so Dr. Axel Schroeder, Präsident des BvDU. „Unser Kerngedanke ist das Aussetzen dieser wichtigen ambulanten Leistung auf Zeit. Gemeinsam stehen wir dafür ein, die wohnortnahe ambulante urologische Versorgung unserer Patienten weiterhin in hoher Qualität zu erhalten."

Mit ihrer Teilnahme folgen urologische Praxen einer Empfehlung des BvDU, der mit dieser Aktion den Druck auf Politik und Selbstverwaltung erhöhen will. Denn die Aufbereitung der Zystoskopie-Instrumente in der Praxis sei in den vergangenen Jahren sehr komplex und aufwändig geworden. Dabei entstehende Kosten für Material, Logistik, Personal etc. würden jedoch in der Vergütung durch die Krankenkassen nicht berücksichtigt, so dass diese Untersuchung zur Versorgung der Patienten nicht kostendeckend angeboten werden könne, argumentiert der BvDU.

„Wir wollen mit unserer Kampagne eine Verlagerung der Zystoskopie in die Kliniken verhindern – so eine Entwicklung wäre fatal. Wir proben lediglich das Szenario, wie die Entwicklung für die betroffenen Patienten sein könnte, wenn die Zystoskopie in Zukunft tatsächlich nicht mehr ambulant erbracht werden kann", betont BvDU-Präsident Schroeder.

Dass die Durchführung der Zystoskopie in urologischen Praxen eine zwingende Notwendigkeit ist, erklärten jüngst auch die Arbeitsgemeinschaft Leitende Krankenhausärzte der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU) und der Vorstand der Fachgesellschaft (>>> zur Pressemitteilung). „Mitte Dezember tagt der Bewertungsausschuss. Wenn unsere Forderung dort auf der Agenda steht, ist unser Signal in Berlin angekommen", so Schroeder weiter.

Quelle: BvDU

Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) bietet jetzt eine neue Therapiemethode zur Behandlung des lokal begrenzten Prostatakarzonoms an. Mithilfe von Hitze, erzeugt durch Ultraschall, wird dabei ganz gezielt nur der Tumor zerstört, das umliegende Gewebe wird geschont, und die Prostata kann erhalten werden. Das Verfahren heißt TULSA-Pro und wird in Norddeutschland bisher nur von der Klinik für Urologie und Urologische Onkologie der MHH unter der Leitung von Prof. Markus Antonius Kuczyk angeboten.

„Bei anderen Krebsarten wie beispielsweise Darm-, Brust- oder Leberkrebs gibt es die Möglichkeit einer lokal begrenzten Behandlung schon lange. Jetzt können wir sie auch unseren Patienten mit Prostatakrebs anbieten“, erklärt PD Dr. Inga Peters, Oberärztin in der Klinik für Urologie und Urologische Onkologie.

TULSA-Pro steht für transurethale Ultraschall-Ablation der Prostata. Bei TULSA-Pro arbeitet die Urologische Klinik eng mit dem Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie unter der Leitung von Prof. Frank Wacker zusammen, denn bei der TULSA-Behandlung spielt die Magnetresonanztomografie (MRT) eine große Rolle.

 

Für die Behandlung wird ein stabförmiger Ultraschallapplikator in die Harnröhre gelegt. Über den Applikator wird Hitze in Form von gesteuerten Ultraschallwellen abgegeben, die den Krebsherd gezielt abtöten. „Der Eingriff erfolgt im MRT unter Echtzeit-Thermometrie. Dadurch ist eine exakte Temperaturkontrolle im Gewebe möglich, die Krebszellen können zielgerichtet vernichtet und das gesunde Gewebe sowie die benachbarten Strukturen wie Nerven und Gefäße geschont werden“, erläutert Dr. Bennet Hensen, der sich im Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie zusammen mit Wacker intensiv um MRT-gestützte Eingriffe kümmert.

Zum zusätzlichen Schutz wird während der aktiven Hitzebehandlung sowohl die Harnröhrenwand als auch die Enddarmwand gekühlt. Für die Therapie setzt das OP-Team die Patienten in eine etwa eineinhalbstündige Vollnarkose. Zwei Tage nach der Operation können die Patienten bereits wieder entlassen werden. Die weitere Genesung wird in engmaschiger Nachsorge kontrolliert.

Erste vielversprechende Daten zur Therapie mit TULSA-Pro zeigen, dass die Rate an Erektionsstörungen deutlich geringer ist als bei einer Totaloperation. Nach einer radikalen Entfernung der Prostata haben 70–80% der Patienten mit Erektionsstörungen zu kämpfen, nach einer Behandlung mit der neuen Methode nur etwa 20%. Bei der Inkontinenz sind die Ergebnisse sogar noch besser: Lediglich 2,6% der Männer, die mit TULSA-Pro therapiert wurden, leiden darunter. Als Folge einer Radikal-OP tritt die Blasenschwäche bei bis zu 30% der Betroffenen auf. Auch zu Harnwegsverengungen komme es nach TULSA-Pro wesentlich seltener, so Peters. „In den Fällen, in denen eine TULSA-Pro-Therapie angezeigt ist, hat die neue Methode genau die Vorteile, die sich die Patienten wünschen“, stellt Peters fest.

 

Quelle: Medizinische Hochschule Hannover, 20.11.2019

PD Dr. Hoang Minh Do hat zum 1. Oktober die Leitung der Klinik für Urologie in Borna übernommen. Der Facharzt für Urologie arbeitete zuvor mehr als 20 Jahre an der Klinik und Poliklinik für Urologie der Universität Leipzig, zuletzt in der Position des stellvertretenden Klinikdirektors.

Do ist spezialisiert auf minimalinvasive Operationstechniken und roboterassistierte Chirurgie, für die er auch als Ausbilder tätig ist. Der in Vietnam Geborene kam über ein Austauschprogramm 1988 nach Leipzig, wo er Humanmedizin studierte. Das Behandlungsspektrum des neuen Chefarztes umfasst das gesamte operative Spektrum. In Borna soll Do vor allem die minimalinvasive und roboterassistierte Chirurgie ausbauen.

Quelle: Klinik für Urologie, Borna

Ob sich eine Embryonalzelle zur Fortpflanzungszelle entwickelt, entscheidet sich deutlich später als bislang gedacht. Das zeigt eine Studie unter Federführung des Whitehead-Instituts in den USA, an der die Universität Bonn maßgeblich beteiligt war. Bei manchen Zellen bleibt diese Festlegung augenscheinlich ganz aus. Aus ihnen entstehen in der Pubertät mit hoher Wahrscheinlichkeit Hodentumoren.

In der dritten Schwangerschaftswoche wird am hinteren Ende des Embryos ein Teil der Zellen für eine Spezialaufgabe abgezweigt: Sie werden zu „primordialen Keimzellen“ (PGCs) und wandern in der Folgezeit in die Gonadenanlagen ein. Aus ihnen gehen später Spermien und Eizellen hervor. Ursprünglich dachte man, dass auch diese Entscheidung mit der Bildung der PGCs besiegelt ist. „Es gab jedoch immer mehr Anzeichen, die dagegen sprachen“, so Prof. Hubert Schorle von der Abteilung Entwicklungspathologie der Universität Bonn.

Zusamen mit Kollegen vom Whitehead-Institut in den USA, einer mit dem MIT assoziierten Einrichtung, konnte Schorle nun zeigen, dass die PGCs nicht zwangsläufig auf eine Karriere als Fortpflanzungszell-Produzenten festgelegt sind. „Stattdessen erfolgt die endgültige Determinierung augenscheinlich erst, nachdem sie die Gonaden – aus denen sich Hoden oder Eierstock entwickeln – erreicht haben“, erklärt der Biologe.

 

„Wir haben gezeigt, dass ein Protein namens Dazl, welches in den PGCs nach Erreichen der Gonadenanlagen produziert wird, für diese Festlegung verantwortlich ist“, so Schorle. „In Mäusen, die kein Dazl bilden können, unterbleibt die Determinierung. Es reicht aber, PGCs kurzzeitig dem Protein auszusetzen, um sie zu programmieren.“ Dazl sorgt dafür, dass in den PGCs die Pluripotenz-Gene abgeschaltet werden.

Allerdings entgehen immer wieder einige primordiale Keimzellen dieser Programmierung. Sie reifen nicht endgültig aus, sondern verbleiben in einem pluripotenten Stadium. In der Pubertät können sich aus ihnen – vermutlich unter dem Einfluss der Geschlechtshormone – Keimzelltumoren des Hodens oder (seltener) des Eierstocks entwickeln. Manche dieser bösartigen Wucherungen enthalten völlig unterschiedliche Gewebetypen – ein Resultat ihrer Pluripotenz und Hinweis darauf, dass die Ursprungszelle noch nicht zur Keimzelle programmiert war. Andere Tumoren erscheinen wie die PGCs selbst weitgehend undifferenziert.

Keimzelltumoren gehören zu den häufigsten Krebsarten bei Männern zwischen 15 und 35 Jahren. „Unsere Ergebnisse zeigen aber, dass man sie wohl eher als Embryonalzell-Tumoren bezeichnen müsste“, erklärt Schorle. Auf die Behandlung der Erkrankung hat das zunächst einmal keinen Einfluss. „Die Studie zeigt aber, dass die Weichenstellung zur Erkrankung bereits in der frühen Embryonalentwicklung erfolgt“, betont der Biologe. „Mittelfristig könnten aus diesen Erkenntnissen neue Therapieansätze erwachsen.“

 

Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

06. Dezember 2019

Paraplegiker erkranken früher an Blasenkrebs

Kategorie: News Autor: Anja Zimmermann
Kann eine traumatisch bedingte Querschnittlähmung Auslöser dafür sein, dass Betroffene Jahre später an einem Harnblasenkarzinom erkranken? Auf einen solchen Zusammenhang deuten Studienergebnisse eines Forscherteams hin, an dem auch das Leibniz-Institut für…
06. Dezember 2019

Halbzeit im Zystoskopie-Streik

Kategorie: News Autor: Anja Zimmermann
Einen Monat ohne Blasenspiegelungen: Seit dem 18. November führen niedergelassene Urologen im ganzen Bundesgebiet bis zum 13. Dezember 2019 bei ihren Patienten keine Blasenspiegelungen (Zystoskopien) mehr durch. Die Aussetzungswelle begann im November im…