Der intensive Einsatz von Azithromycin zur Therapie von sexuell übertragbaren Infektionen hat in den letzten Jahren zu einer zunehmenden Resistenzentwicklung gegenüber Azithromycin bei der Behandlung der Gonorrhoe geführt. Darauf macht das Robert Koch-Institut im aktuellen Epidemologischen Bulletin 32/33 2019 aufmerksam. In Deutschland wurde aktuell der zweite Fall einer urogenitalen Gonorrhoe mit einem high-level-Azithromycin-resistenten N.-gonorrhoeae-Stamm (HL-AziR-NG) dokumentiert.

Ein 42-jähriger Patient stellte sich Ende Juni 2019 in Berlin ambulant wegen Ausfluss und Dysurie vor. Seine Sexualpartnerin war ebenfalls erkrankt. Die Bestimmung der Antibiotikaempfindlichkeit zeigte einen HL-AziR-NG. Die Erreger waren resistent gegenüber Tetracyclinen, ohne Nachweis einer beta-Lactamaseproduktion. Die Empfindlichkeitstestungen für Cefixim, Ceftriaxon und Ciprofloxacin fielen ebenfalls sensibel aus. Die Behandlung erfolgte allerdings noch vor Kenntnis der Resistenztests leitliniengerecht mit Ceftriaxon und Azithromycin. Eine Therapieerfolgskontrolle bei der Partnerin zeigte eine Erreger-Eradikation. Die Kontrolle des Manns steht laut Bericht noch aus.

Nach einem ersten Nachweis im Jahr 2016 ist dies der zweite Nachweis eines HL-AziR-NG-Isolats in Deutschland. In den letzten zwei Jahren wurden in Australien und Großbritannien bereits mehrmals multiresistente Keime nachgewiesen, gegen die auch das letzte einsetzbare Antibiotikum versagte. Da jedoch eine Reiseanamnese fehle, sei von einer Ansteckung in Deutschland auszugehen, so die Autoren im Epidemiologischen Bulletin. Sie vermuten, dass es hierzulande bereits ein eigenständiges Infektionsgeschehen mit HL-AziR-NG gibt und es sich bei dem aktuellen Fall nicht um ein singuläres Ereignis aufgrund einer Reise-assoziierten Infektion handelt.

Azithromycin ist derzeit das einzig verfügbare orale Antibiotikum zur Therapie der Gonorrhoe; aufgrund der geschilderten Resistenzentwicklung ist es für die Monotherapie ungeeignet. Hinzu kommt, dass für das ebenfalls in den Leitlinien empfohlene Cefixim momentan ein Lieferengpass besteht, der laut RKI in den nächsten Monaten bis voraussichtlich Ende 2019 weiter fortbestehen wird. Unerlässlich sei bei Diagnose einer Gonorrhoe eine Testung der Antibiotika-Empfindlichkeit, um vorhandene Resistenzen aufzuspüren. Auch eine Therapieerfolgskontrolle sollte immer notwendig. Das RKI bittet Fälle von ungewöhnlicher Resistenz und Therapieversagen daher immer zeitnah an das KL für Gonokokken und das RKI zu melden.

Quelle: univadis.de

19. September 2019

Live vom DGU-Kongress: Big Data – Was bringt die Zukunft?

Kategorie: News Autor: Redaktion
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