Seit Kurzem stehen unter www.awmf.org sowohl die Lang- als auch die Kurzversion der S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Keimzelltumoren des Hodens“ zum Download bereit. Bei welchen Aspekten es Neuerungen gibt, wurde von Prof. Sabine Kliesch, Münster, zusammengefasst. So betonte sie u. a., dass die FDG-PET/CT in der Ausbreitungsdiagnostik keine Relevanz besäße. Männer mit neu diagnostiziertem Keimzelltumor (KZT) sollten hier – das sei nach wie vor der Standard – eine kontrastmittelgestützte CT von Abdomen/Becken und Thorax erhalten. Die MRT des Abomens/Beckens sei nur bei bestehenden Gegenanzeigen gegen ein CT angebracht.

Die Tumormarker AFP, Beta-hCG und LDH sollten vor der Ablatio sowie postoperativ alle fünf bis sieben Tage bestimmt werden – bis zum Erreichen des Normalwerts bzw. des jeweiligen Nadirs, der einen Weg über die weitere Therapieführung weist. MikroRNAs seien noch kein Bestandteil dieser neuen Leitlinie. Intensivere Beachtung fände dagegen, so Kliesch, die organerhaltende Tumorchirurgie aufgrund der neuen verfügbaren Evidenzlage. Das Gleiche gelte für den Erhalt der Fertilität. So sollten entsprechende Maßnahmen, wie die Kryokonservierung von Spermatozoen dem Patienten vor Therapiebeginn angeboten werden.

Bezüglich der Prognose gäbe es sehr klare Statements zum Nicht-Seminom und Seminom, woraus auch die neuen Empfehlungen zur Erstlinientherapie resultierten: Das Seminom im klinischen Stadium 1 werde primär überwacht und dann im Falle eines Rezidivs stadiengerecht überwacht. Bei Tumoren mit einem Durchmesser > 4 cm könne im Einzelfall eine adjuvante Therapie erwogen werden.

Zu den infrage kommenden Maßnahmen verwies Kliesch auf den entsprechenden Hintergrundtext der Leitlinie. Auch beim Nicht-Seminom werde in der Niedrigrisiko-Situation die Überwachung favorisiert. Bei erhöhtem Rezidivrisiko sollte zusammen mit dem Patienten ein Zyklus PEB gegen Überwachung abgewogen werden. Vorsichtig formuliert sei in den Leitlinie die primäre nervenschonende RLA eine mögliche Alternative.

Bei Patienten mit metastasiertem nicht-seminomatösem KZT und schlechter Prognose sei das eindeutige Statement, dass die Therapie aus vier Zyklen PEB bzw. bei Kontraindikationen aus zwei Zyklen PEI bestehen sollte. Eine Therapieintensivierung bei Patienten mit abweichendem Risikoprofil sollte an einem Zentrum mit ausgewiesener Erfahrung erfolgen.

Ein spannendes Kapitel der neuen Leitlinie sei das zu möglichen Sonderformen, so Kliesch. Hierzu gebe es zwar noch viele offene Fragen, aber auch Erkenntnisse, die bislang in anderen Leitlinien noch nicht abgedeckt seien.

Zum abschließenden Thema Nachsorge nach kurativer Therapie sei der Expertenkonsensus, dass eine entsprechende MRT die CT ersetzen sollte, wenn sie an Zentren mit ausgewiesener Erfahrung durchgeführt würde.

Quelle: F03 – Neue S3-Leitlinie Hodentumor – Pro und Contra / Neuerungen der S3-Leitlinie Hodentumor, DGU-Kongress, 18. September 2019

17. Oktober 2019

Kurt Miller erhält die Maximilian-Nitze-Medaille

Kategorie: News Autor: Anja Zimmermann
Mit der höchsten Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Urologie, der Maximilian-Nitze-Medaille, wurde Prof. Kurt Miller für seine besonderen Verdienste für das Fach Urologie geehrt. Miller ist Senior Consultant Professor Urologie an der Urologischen…